Mitversicherung von Neugeborenen in der PKV und GKV

In den vergangenen Wochen machte in Deutschland die Geschichte einer Familie Schlagzeilen, die vergessen hatte, ihr frühgeborenes Kind bei der privaten Krankenversicherung nachzumelden - und deshalb auf 250 000 Euro Krankenhauskosten sitzenblieb. Nach dem Tod des Säuglings steht die Familie nun vor dem finanziellen Ruin. Wie konnte das passieren? Eltern haben unter bestimmten Bedingungen die Pflicht, für ihre Kinder eine eigene Krankenversicherung abzuschließen. Nur die gesetzlichen Krankenversicherungen kennen die kostenlose Familienversicherung, für die der Nachwuchs lediglich gemeldet werden muss. Die privaten Anbieter hingegen schließen gegen Beiträge eigene Versicherungsverträge für die Neugeborenen ab. Kniffelig wird der Fall, wenn die Eltern unterschiedlich versichert sind. Grundsätzlich sind vier Konstellationen denkbar:

1. Beide Eltern sind gesetzlich versichert

Hier greift im Regelfall nach §10 SGB5 die Familienversicherung. Sind die Eltern bei getrennten Kassen versichert, können sie für ihre Kinder frei wählen. In dem Falle kommt es also darauf an, wer die besseren Leistungen anbietet.

2. Ein Elternteil ist in der GKV, der andere in der PKV - unverheiratet

In dem Falle haben die Eltern freie Wahl. Auch das geht aus §10 SGB5 hervor. Die Einschränkung der Familienversicherung gilt nur dann, wenn der privat versicherte Elternteil Ehe- oder Lebenspartner ist. Aus Kostengründen wird das Neugeborene hier in der Regel in der GKV familienversichert sein.

3. Ein Elternteil ist in der GKV, der andere in der PKV - verheiratet

Jetzt beginnen unter Umständen die Probleme. Das Kind hat dann keinen Anspruch auf Familienversicherung, wenn der privat versicherte Ehe- oder Lebenspartner durchschnittlich besser verdient, mit seinem Jahreseinkommen die Beitragsbemessungsgrenze von 49.500 Euro übersteigt sowie mehr als drei Monate beim gleichen Anbieter versichert ist. In diesem Fall muss das Kind bei dem privaten Anbieter nachversichert werden. Das gilt von dem Moment an, in dem die Geburt abgeschlossen, also die Nabelschnur durchtrennt ist. Zuvor ist es rechtlich gesehen ein Teil des Körpers der Mutter.

Die Nachversicherung selbst ist unkompliziert. Zwei Monate haben die Eltern Zeit. Die Antragsformulare sind bequem über das Internet zu haben. Ausdrucken, ausfüllen, absenden, fertig. Dabei haben die privaten Anbieter keine Möglichkeit, die Babys abzulehnen oder Risikobeiträge zu erheben. Das ist in §178d des Versicherungsvertragsgesetzes geregelt. Kommt das Kind zu früh oder krank auf die Welt, muss die Versicherung für die Behandlungskosten aufkommen.

Die Höhe der Beiträge für eine private Versicherung des Kindes variieren je nach Anbieter und Leistungen, die aber nicht höher sein dürfen, als beim Hauptversicherten. Mit 80 bis 150 Euro monatlich müssen Eltern rechnen, wobei der Arbeitnehmer die Hälfte übernimmt.

4. Beide Eltern sind in der PKV

Hier gelten dieselben Regelungen wie im dritten Fall. Das Kind wird in der Regel dort versichert, wo der Hauptverdiener seinen Vertrag abgeschlossen hat.

In angegebenem Fall war die Mutter gesetzlich versichert, der besser verdienende Vater privat. Deshalb hätte das Kind innerhalb zweier Monate nachversichert werden müssen. Bei aller Tragik ist der Fall klar: Das Kind hatte keinen Versicherungsschutz, die Eltern müssen für die Behandlungskosten aufkommen. Anbieter, Krankenhaus und das Paar bemühen sich aber um eine Lösung.