Private Krankenversicherung bei einem Makler abschließen

Eine private Krankenversicherung bei einem Makler abzuschließen, bringt einige Vorteile – so könnte man meinen. Schließlich werben Makler regelmäßig mit ihrer Unabhängigkeit, mit ihrem Überblick über den gesamten Versicherungsmarkt, mit ihrer großen Auswahl an Gesellschaften… Doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt, und deshalb lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen mit der Frage – welche Nachteile hat der Abschluss einer privaten Krankenversicherung bei einem Makler?

Zunächst muss man wissen, dass ein Versicherungsmakler von der Provision aus seinen Neuabschlüssen lebt. Er erhält für jeden neu abgeschlossenen Vertrag eine Abschlussprovision von der Gesellschaft ausgezahlt. Empfiehlt er einem Kunden nur den Wechsel eines Tarifs, erhält er für diesen Tarifwechsel keine Provision. Schon deshalb ist ein Makler gezwungen, jedem Kunden einen Wechsel des Versicherers vorzuschlagen.

Die Höhe dieser Abschlussprovisionen ist in der privaten Krankenversicherung sehr attraktiv, und auch die gesetzliche Haftungszeit für den Makler ist mit 12 Monaten relativ kurz. Während dieser 12 Monate haftet der Makler dafür, dass der Kunde den Vertrag nicht kündigt. Sind die 12 Monate abgelaufen, ohne dass der Kunde gekündigt hat, gilt die Provision als verdient. Diese Haftungszeit in der privaten Krankenversicherung ist sehr viel kürzer als bei allen anderen Versicherungsarten. Im Ergebnis macht die Höhe der Abschlussprovision und die Kürze der Haftungszeit die private Krankenversicherung zu einer sehr beliebten Versicherung für jeden Makler. Er wird also in aller Regel schon aus eigenem Interesse heraus zu einen Versicherungswechsel raten. Diese Tendenz wird durch die Gesellschaften selbst noch unterstützt, denn es scheint, als sei teilweise ein regelrechter Wettkampf um die höchste Provision ausgebrochen. Mit immer höheren Provisionen übertrumpfen sich die Gesellschaften gegenseitig, um damit Neuabschlüsse zu generieren. So vorteilhaft die kostenlose Beratung der Makler also zunächst erscheint, so sehr steht zu befürchten, dass nicht immer der tatsächlich passende Tarif den Ausschlag für die Empfehlung des Maklers gibt, sondern eher die Höhe der Provision.

Hinzu kommt, dass gerade die große Auswahl, die der Makler tatsächlich hat, dazu führen kann, dass er nicht alle Versicherungsdetails im Auge hat. Damit besteht die Gefahr, dass ihm ein kleines, aber wesentliches Detail in den Versicherungsbedingungen entgeht, das für den Kunden von großer Bedeutung sein kann. Gleichzeitig wird ein Makler in der Regel nicht die betriebliche Praxis aller Gesellschaften kennen – die aber für den Kunden von immenser Wichtigkeit ist, denn er ist später mit der gesamten Abwicklung der Gesellschaft konfrontiert. Wie schnell bearbeitet die Gesellschaft die Leistungsanfragen des Versicherten? Wie zügig erfolgt die Erstattung der eingereichten Kosten? Gilt sie als kulant in der Übernahme von Kosten, oder prüft sie jedes Detail genau? Ist sie telefonisch schnell und zu vernünftigen Zeiten erreichbar? Es ist also letztlich gerade der große Umfang an Gesellschaften, der zu einer oberflächlichen und falschen Auswahl führen kann, weil nicht alle relevanten Details bekannt sind. Damit kann gerade die weit gefächerte Auswahl des Maklers für den Kunden zum Nachteil werden.